Iran hängt Atomforscher


Die Hinrichtung des Wissenschaftlers Schahram Amiri ist das Ende einer mysteriösen Spionagestory. Er soll den USA Informationen über Irans Atomprogramm gegeben haben.

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Der iranische Atomforscher Schahram Amiri ist wegen angeblicher Spionage für die USA in seinem Heimatland hingerichtet worden. Amiri sei gehängt worden, weil er Staatsgeheimnisse an den Feind verraten habe, sagte ein Sprecher der iranischen Justiz. Der Forscher habe Kontakt mit den USA aufgenommen und „vertrauliche und lebenswichtige Informationen“ an die Amerikaner weitergegeben.

Die Nachricht von Amiris Hinrichtung geht laut der BBC auf dessen Mutter zurück, der die Leiche am Samstag übergeben worden sei. Demzufolge waren an Amiris Hals die Spuren der Strangulierung zu sehen. Der 1977 geborene Forscher war der BBC zufolge zuvor lange im Gefängnis gewesen. Sein Vater sagte dem Sender, Amiri sei mehrere Jahre an einem geheimen Ort festgehalten worden.

Bei Rückkehr als Held gefeiert
Der für Irans Atomenergie-Organisation arbeitende Universitätswissenschaftler war im Juni 2009 während einer Pilgerreise in Saudi-Arabien verschwunden und tauchte im Juli 2010 auf in den USA gedrehten Videos wieder auf. In der pakistanischen Botschaft in Washington bat er um seine Rückkehr in den Iran, wo er wie ein Held gefeiert und von Behördenvertretern begrüßt worden war.

Er hatte damals ausgesagt, dass er im saudi-arabischen Pilgerort Medina von zwei persischsprachigen Agenten des US-Geheimdienstes CIA entführt worden sei. Man habe ihn unter starken psychologischen Druck gesetzt, Informationen über das iranische Atomprogramm zu liefern. Doch US-Beamte sagten der Nachrichtenagentur AP, sie hätten Amiri etwa fünf Millionen Dollar gezahlt, damit er die Seiten wechsle. In US-Regierungskreisen hieß es damals, man habe „nützliche Informationen“ von Amiri erhalten. Er sei aus eigenem Antrieb übergelaufen, sagten die Beamten laut der BBC.
Nach seiner Rückkehr in den Iran blieb Amiri zunächst unbehelligt, doch im Mai 2011 wurde er laut der BBC verhaftet. Der Justizsprecher sagte, der Iran habe die ganze Zeit von Amiris „Spionageaktivitäten“ gewusst. Der Wissenschaftler sei angeklagt und in erster Instanz zum Tode verurteilt worden; das Urteil sei später vom Obersten Gericht bestätigt worden.

Verstärkter Druck seit Atomabkommen

Unklar ist, warum Amiri jetzt – sechs Jahre nach seiner Rückkehr in den Iran – hingerichtet wurde. Eine Erklärung läuft darauf hinaus, dass seit dem Atomabkommen von 2015 die Hardliner in der islamischen Republik zunehmend Bürger mit zwei Staatsangehörigkeiten sowie Journalisten, Menschenrechtsaktivisten oder Künstler ins Visier genommen haben.

US-Beamte vermuten, Amiri könnte 2010 zur Rückkehr gezwungen worden sein, weil seine Familie bedroht wurde. Amiri bezeichnete sich nach seiner Rückkehr als einfachen Wissenschaftler, der an der Universität gearbeitet und keine Geheiminformationen besessen habe. Die fünf Millionen Dollar, die die Amerikaner ihm geboten hatten, habe er bei seiner Ausreise aus den USA nicht mitgenommen.

Der Iran lag jahrelang mit der internationalen Gemeinschaft im Streit um sein Atomprogramm, da er verdächtigt wurde, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Im Juli 2015 wurde der Konflikt mit dem Abschluss eines Abkommens zwischen dem Iran, den fünf UN-Vetomächten und Deutschland beigelegt. Gemäß der Vereinbarung fuhr das Land sein Atomprogramm drastisch zurück und ließ verschärfte Kontrollen zu. Im Gegenzug wurden im Januar 2016 die Finanz- und Handelssanktionen gegen den Iran aufgehoben.

 

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